Werther

Oper von Massenet

Musikalische Leitung: Stephan E. Wehr

Regie: Jochen Biganzoli

Bühne u. Kostüme:
Stefan Morgenstern

Dramaturgie: Alexander Suckel

KleistTheater, Frankfurt/O.

Foto: Privatarchiv

„ ...Dank des metapherreichen Bühnenbildes von Stefan Morgenstern, mit dem Schwarm Vögel im Hintergrund, einem silbernen Säulenwald und einer Sandwüste, kommen die Protagonisten gar nicht erst in die Verlegenheit, durch Umbau oder Szenenwechsel das Stück zu zerreißen. Beides bleibt flüssig, dramatisch und hat auch einen Hauch von Gruppentherapie. Es gibt von diesem Ort kein Entrinnen. ...“

- Güran Sachser

„ ...In diesem Kammerspiel bleiben neben Werther und der Geliebten, unerreichbaren Charlotte nur noch deren Verlobter Albert und Sophie, die Schwester Charlottes übrig. Diese Figuren, angesiedelt zwischen Beckett, Sare und Gorki, verdammt zum Zusammensein auf ewiger Zeit, haben sich in dem Raum des Ausstatters Stefan Morgenstern eingerichtet.

Eine bleierne Wand im Bühnenhintergrund, die gelegentlich den Blick frei gibt auf einen Schwarm davonfliegender Vögel, rechts eine Sandwüste, links ein undurchdringlicher Wald hängender Säulen - aus diesem Ort gibt es kein Entrinnen. So spart sich Biganzoli denn auch alle Auf- und Abtritte, lässt die Figuren als Gefangene ihrer selbst, ihrer Sehnsüchte und Aggressionen aufeinanderprallen. Das verwirrt zunächst, schließlich ist vom Weggehen und Ankommen mehrfach die Rede. Doch offenbart es bald seinen tieferen Sinn.“

- Friedrich Oedmann / MOZ

„ ... „Jeder ist die Hölle des Anderen, wie bei Sartre“. Die Äußerung des Dramaturgen Alexander Suckel im Programmheft ist ein Schlüsselwort. In Frankfurt spielen sie Massenets „Werthers“ wie Sartres „geschlossene Gesellschaft“. Alle sind gefangen, nicht nur in ihren Konventionen, sondern auch räumlich, im Bühnenbild von Stefan Morgenstern: Eine halbrunde Rückwand mit schmalen Sichtfenstern (wohin?), links Ausläufer einer Sandwüste, rechts hängende Säulen - offenbar ein stilisierter Wald.

Auch wenn häufig von Kommen und Gehen die Rede ist, verlässt keine der handelnden Personen die Bühne. Alle sind stets anwesend und bilden ein latentes Aggressionspotential. Gefühle können nicht ungehemmt verströmen, der kritische Blick über die bloße Präsenz des anderen steuern dagegen. ...“

- Manfred Maier