Orpheus in der Unterwelt

Oper von Offenbach

Musikalische Leitung: Karl Andreas Mehling

Regie: Jochen Biganzoli

Bühne: Stefan Morgenstern

Kostüme: Michael Kraus

Dramaturgie: Juliane Votteler

Theater Augsburg

Foto: Nik Schölzel

„ ...Derweil sitzt die gesetzgebende Upperclass (Kostüme: Michael Kraus), von dauerndem Champagner gelangweilt, in einer Halle, als ob der Speisesaal der Nobelherberge "Drei Mohren" gemeint sein könnte, Bühne: Stefan Morgenstern. Dort kommt der Regierungsspitze zu Ohren, dass Eurydike von Pluto beraubt sei, das Mädel kann daher so uneben nicht sein; Jupiter hat gute Gründe einzuschreiten. Und lässt sich nicht lumpen und lädt seine gesamte Entourage von Achtel- bis Vollgöttern zu einer Lustreise in die Liebeshölle ein. Angekommen aber schlägt der gewitzte wagemutige Regisseur Jochen Biganzoli eine doppelte Theater-Volte, nachdem er noch rechtzeitig vor der Premiere die Kurve gekratzt hat, und sinngemäß verlauten lassen, dass Parallelen zur Augsburger Wirklichkeit rein zufälliger, na ja, man kennt das ja. - Trinken und lieben bis in alle Ewigkeiten. - Also: erstens steht die Hölle unter Szenenapplaus den Drei-Mohren-Luxus geradezu auf den Kopf und klebt an den Bühnenhimmel, was zuvor auf dem Parkett glänzte; zweitens bringt sie diese ganze Offenbachiade in eine gar nicht mehr so lustige Schräglage, ja, in eine gefährliche Kippsituation...

....Jochen Biganzolis tiefschwarzer Widerhaken, seine verordnete Irritation, seine mitleidvoll-desillusionistischer Blick auf Eurydike bremste freilich nicht das Publikum bei einhellig rechtmäßig Feiern aller Beteiligten...“

- Rüdiger Heinze / Augsburger Allgemeine

„ ...Das Ganze spielt in einem hoch lichten Ballsaal, in der die Hölle auf den Kopf gestellt wird. Eine witzige Bildidee von Stefan Morgenstern...“

- Peter Jungblut

„ ...Dafür wird gerade der CanCan zur Schlussszene dieser Inszenierung. Hier nämlich bricht alles das durch, was man auf Erden und im Olymp nur mühsam unter Kontrolle hält: Die schlechtesten Triebe, anmaßende Machtausübung übelster Sorte. Zum berühmten Hit wird Eurydike hier von einem massigen Mars erst angetatscht und dann von Pluto und Jupiter gleichzeitig vergewaltigt, während die feine Göttergesellschaft dazu fröhlich mitwippt. Eine böse Szene, wahrhaftig. Unterstützt wird das Ganze noch vom Bühnenbild: Stefan Morgenstern zeigt im Olymp eine imponierende Halle (etwa ein Hotelballsaal) und die fade Göttergesellschaft beim Bankett im Konsumüberfluss. Zum Schluss des 1. Teils gibt es dann - nach der Revolution mit Bankett und Champagnerfahne den größten (Börsen-) Crash und der ganze Luxus bricht zusammen. In der Hölle steht dann plötzlich alles Kopf. Die Stimmung aber ist trist. Ein gutes, sehr vielschichtiges Bild...“

- Barbara Winterstetter / Donaukurier