Der Traum der MÜcke

Choreografie/Regie: Torsten Händler

Bühne u. Kostüme: Stefan Morgenstern

Videoprojektion: Robert Fischer

Theater Plauen-Zwickau

Foto: Peter Awtukowitsch

MÜckes Traumtanz

„...Mücke ist ein junger Mann, der lediglich den Namen eines ungeliebten Insektes trägt. Ansonsten, in dem Moment, wenn er leibhaftig die Szene betritt, erhält er die ungeteilte Sympathie des Publikums am Premierenabend des neuen Tanzstückes " Der Traum der Mücke" von Torsten Händler mit der Musik von Steffan Claußner.

Sebastian Uske ist Mücke, ein Tänzer von jungenhafter, wenn nötig auch naiver Ausstrahlung, humorvoll und doch kräftig in der Charakterisierung dieses Träumers, der sich nicht damit abfinden will, dass der Tag grau und die Welt ein System aus Schubladen, Anordnungen und Vorschriften ist. Und genau in einem solchen Schubladensystem landet Mücke ziemlich unsanft, wenn er aus seinem Traum vom Fliegen erwacht.

Stefan Morgenstern hat diese graue Wand auf die Zwickauer Drehbühne gestellt: Unzählige Schubladen, werden sie geöffnet, kommen Hände, Füße, Köpfe, halbe oder auch schon mal ganze Menschen zu Vorschein. Zu den einzelnen Gliedmaßen gehören Menschen, die sich eingerichtet haben in ihren Minisystemen einer Bürokratenwelt, deren Bilder in diesem surrealen Tanzstück immer wieder an Motive aus Funktionswelten von Franz Kafka erinnern.

Choreografisch gibt das Anlässe zu grotesken Situationen: scheinbar körperlose Hände etwa auf Schreibmaschinen oder in getanzter tragkomischer Brillanz Ekaterina und Elena Tumanova als siamesisches Zwillingspaar im zum Höchstmaß gesteigerter Ordnungs- und Beamtenmacht. Wenn sich die Bühne dreht sind wir in Mückes Heim, eine sonderbare Welt aus Gerüststangen, die auch schon mal zur Klanginstallation werden können und in deren Zwischenräumen sich Wohnaccessoires in geheimen Anordnungen befinden. Mücke kennt sich aus, Mücke träumt sich ein, bis in den Männertraum auf hoch schwebendem WC, bei dem dir Traumfrau vom Beginn dem Badewasser entsteigt. Für seinen humorvollen, unterhaltenden Tanzabend, hat sich Torsten Händler Anregungen aus dem Film "Brazil" aus dem Jahre 1985 von Terry Giliam geholt. Das surreale Werk, u.a. von George Orwell inspiriert, sollte ursprünglich in Anspielung auf dessen Hauptwerk "1984 1/2" heißen. Händler geht aber dann mit seiner bestens motivierten Kompanie ganz eigene Wege, erzählt ein modernes Märchen vom großen Glück des kleinen Mannes Mücke mit den unsichtbaren Flügeln, dem weder die Übermacht der Mutter noch Chefs, Anarchisten, Ärzte, graue Bürohengste oder Ordnungskräfte Flugangst machen können. ...“

- Boris Michael Gruhl / Tanznetz

Zum FÜrchten gut gelaunt

„...Die Welt ist bunt und überschaubar in Torsten Händlers Ballett "Der ‚Traum der Mücke", das am Freitag im Zwickauer Gewandhaus Premiere hatte. Gutbürgerlich herausgeputzte Damen schweben vorbei, ein Bürokomplex macht sich voller Geschäftigkeit breit, entschlossene Wachmänner wuchten ihre Körper über die Bühne – das riecht nach Hollywood, nach erprobter Unterhaltung, nach Klischee. Und am Ende doch etwas anderes, eine hinreißendes, in Teilen auch unheimliches Spiel.

Der Autor, seit 2009 Ballettdirektor am Theater Plauen-Zwickau, hat seinem neuen Tanzstück Motive aus Terry Giliams Film "Brazil" (1985) zugrunde gelegt. ...

"Übernommen hat Händler aus "Brazil" den permanenten Wechsel von Traum und Wirklichkeit und die prägende Rolle der Mutter, die dem wenig ehrgeizigen Sohn auf die Sprünge helfen möchte und ihm in der Tat auch eine höhere Position verschafft. Das wird sichtbar durch ein eigenes Büro, das "Mücke" bezieht, während die meisten Kollegen sich in der von Stefan Morgenstern kreierten nüchternen Firmenfront begnügen müssen. ...

...Die dezenten, gekonnt mit Proben exklusiver Werbungen arbeitenden Videoeinspielungen schuf Robert Fischer.

Stefan Morgenstern entwarf die nicht mit Farbe sparenden Kostüme wie auch die detailreichen, technikverliebten und eine tüchtige Portion hintergründigen Humor verströmenden Aufbauten. Nach der Premiere gab es im ausverkauften Gewandhaus langen begeisterten Beifall für diese Balletttruppe und ihr hohes Niveau. Sie hat es sich mehr als verdient. ...“

- Volker Müller / Freie Neue Presse