Die Marquise von O.

Regie: Silvia Armbruster

Bühne u. Kostüme: Stefan Morgenstern

Theater Lindau

Foto: Theater Wahlverwandte

Grosses Theater in der Stadthalle Limburg

„...Anfangs sieht alles noch ganz friedlich aus: Vater, Mutter und ihre erwachsene Tochter machen im heimischen Wohnzimmer Hausmusik. Doch dann kracht es:

Es ist Krieg. Langsam bohren sich große Waffenrohre unter düsendem Lärm durch die Tapete, bevor ein Podest mit einem Herrn am Schlagzeug zum Vorschein kommt. Er „musiziert“ den Krieg – eindrücklich dargestellt. Das heimelige und liebevoll inszenierte Bühnenbild hat Kratzer bekommen, die signalisieren: Eine schwere Zeit steht bevor rund um Krieg, die Auswirkungen, persönliche Probleme und Schwierigkeiten, die die Grundpfeiler eines Lebens ins Wanken bringen.

Das Heinrich Kleists Stück „Die Marquise von O.“ keine leichte Kost ist, wussten spätestens nach dieser anfänglichen Szene auch diejenigen im großen Saal der Stadthalle, die den Inhalt nicht kannten. Lärm, Schreie, brutale Szenen, Missbrauch – es ist Krieg, mitten auf der Bühne. ...“

- Nassauische Neue Presse

Kein bisschen angestaubt

Neuburg (DK)

„...Wie bringt man eine vordergründig reichlich angestaubte Geschichte, deren durchaus relevante Aussagen sich auf der Metaebene abspielen, spannend auf die Theaterbühne? Eine schwierige Aufgabe, die Regisseurin Silvia Armbruster mit der "Marquise von O." trefflich gelungen ist. ….

….Das Schlagzeug ist zugleich Kriegsgerät und Rammbock, erobert die Zitadelle samt Kommandantenhaus im Sturm.

Raffiniert das simple Bühnenbild, das lediglich aus einer Tapetenwand besteht, die zwar nach dem Einfall der Russen nur noch in Fetzen hängt, dennoch aber Platz für Schubladen und Schranktüren bietet, in denen der Vater der Marquise seine militärischen Insignien aufbewahrt, bis er sie zum Repräsentieren braucht. Wie die Tapete, so hängt die Welt der Marquise in Fetzen – bis sie sich emanzipiert: Von der Meinung der Welt, der Bevormundung durch die Eltern, ja, der herrschenden Lehrmeinung zum Trotz, dass es außer der Jungfrau Maria noch keinem Weibe geschehen sei, ohne eigenes Wissen schwanger zu werden. Wobei das in Zeiten von Ko-Tropfen und Co. heute gar nicht mehr so abwegig erscheint, wie das vieldiskutierte Motiv der Kleist'schen Novelle lange Zeit erschien.

Das ist großes Theater – kompakt, packend und obendrein höchst unterhaltsam, was in Neuburg mit langanhaltendem Applaus belohnt wird. ...“

- Donau Kurier / Andrea Hammerl

„...Dieser Stoff klingt reichlich angestaubt und klischeehaft, doch dem Ensemble "Theater Wahlverwandte" gelang es meisterlich, einen Bogen von klassischen Texten und Sequenzen zu modernen Wendungen zu schaffen. Überdies zeigten die Schauspieler auch die ungeheure Komik, die hinter Kleists Werk steckt. So schaffte es das Ensemble zu zeigen, dass Kleists Werk auch nach über 200 Jahren noch aktuell und sehenswert ist. ...“

- Augsburger Allgemeine

Eruptive Ausbrüche aus der Harmonie

„...Sebastian Strehler ist Schauspieler und Schlagzeuger. Heinrich von Kleist schrieb Tragödien, die mystische Schauer einjagen: Antik im Aufbau, aufgeklärt im Inhalt, modern in ihren Aussagen. Und das Theater Wahlverwandtschaften macht aus großartigen literarischen Stoffen großes Theater: zeitgemäß in der Form, zeitlos in der Botschaft. …

….Es ist die Einstiegsszene, ein für das gesamte mehr als zwei Stunden dauernde Stück typischer Ablauf: Tradition trifft auf Moderne. Hausmusik in kleiner Besetzung, spielbare Stücke von Franz Schubert waren im 18. und 19. Jahrhundert verbindlich für die Erziehung von Töchtern aus gutem Hause. Die italienische Uniform aus dem 20. Jahrhundert, das schwarze Abendkleid der Marquise und das elegante Kostüm ihrer Frau Mutter signalisieren, dass diese Auffassung bis heute nicht verschwunden ist. …

….Da bricht, bedrohlich wie ein Ungeheuer, ein Panzerwagen durch die romantisch verspielt tapezierte Wohnzimmer-Wand. Die Russen kommen. Der Soldat trommelt wie ein Verrückter. Rock 'n' Roll, eindringlich, wirbelnd, aufrüttelnd, so mitreißend wie Ginger Baker (The Cream). Moderne Rhythmen zerstören romantische Melodien. Und mehr. Das belebt diese Inszenierung, macht sie so spannend: der Wechsel zwischen stilleren Dialogszenen, hektischem Durcheinander und eruptiven Veränderungen. …

…Alle inneren Veränderungen deuten sich an, verstärken sich, gleich in welcher Rolle. Diese Hinwendung zum Detail bis in die Kleidung trägt dazu bei, dass aus großartigem Stoff großes Theater wird. Tosender, anhaltender Beifall. Für kongeniale Schauspieler und herausragende Inszenierung. ...“

- Braunschweiger Zeitung / Hans Karweik